Twitter Suggestions: Eine Frage der Ehre

Ich habe den Twitter-Nutzer-Vorschlags-Algorithmus ja nicht durchschaut, aber es soll manche geben, die munkeln, er richte sich nicht unwesentlich nach der Follower-Struktur sowie der Strukter derjenigen, denen man selbst folgt. Wenn einem das zur Ehre gereicht… Ist ja auch was schönes, so eine erwiderte Liebe. Aber mit dem Sein, also dem, wie man wirklich ist, hat es vielleicht gar nicht so viel zu tun. Genug kluggeschissen. Ich hätte wohl denselben Tweet abgesetzt und schließe trotzdem mit der Hausaufgabe, Algorithmen zu hinterfragen. Bis denne.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank, das schau ich mir gleich mal an. Das ist im Übrigen ja auch das verlockende und gleichzeitig so „gefährliche“ an diesen statistisch relevanten Korrelationen. Man ist bei 80 Prozent schon zufrieden, aber verhaftet werden sollte wegen einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent eben doch niemand. Sofern man das immer noch mitdenkt, finde ich Algorithmen wirklich hilfreich – wenn man das mal so pauschal sagen kann. Bedenklich wird’s, wenn man keinen Kredit bekommt, weil Leute aus derselben Straße mit genausovielen Konsonanten im Namen zwischen 23 und 42, die schon mal bowlen waren (oder ähnlich zufällige Faktoren) von der Schufa schlecht eingestuft werden.

  2. Damit meckerst du den ewigen Zwiespalt von Forschung und Anwendung an – kommt drauf an, was man draus macht. Das ist ein gesellschaftliches Problem, kein mathematisches oder technologisches, und es beginnt mit der Schere im eigenen Kopf: Nützt es mir, ist es gut, wird es gegen mich verwendet, ist es schlecht (Atomtechnik, Genomentschlüsselung). Daran haben sich schon Generationen von Philosophen abgearbeitet und sind nicht zu einer Lösung gelangt.

    U.a. Constanze Kurz beschäftigt sich mit Technikethik. Das hier gibt einen Überblick über verschiedene Forschungsfelder (PDF).

    Auch Kathrin Passig hat viel über unsere Sichtweisen geschrieben, z.B. http://www.sueddeutsche.de/digital/zur-kritik-an-algorithmen-warum-wurde-mir-ausgerechnet-das-empfohlen-1.1253390 oder http://www.suhrkamp.de/buecher/standardsituationen_der_technologiekritik-kathrin_passig_26048.html

  3. Merci. Mit einigem davon hab ich mich auch schon beschäftigt. Genau darum geht’s mir auch: „Das ist ein gesellschaftliches Problem, kein mathematisches oder technologisches, und es beginnt mit der Schere im eigenen Kopf“.
    Genau deshalb, weil man es nicht abschließend „lösen“ kann, finde ich es wichtig, sich weiter „daran abzuarbeiten“. Ich hab einfach das Gefühl, dass wir im Alltag ständig Fehlschlüssen auf den Leim gehen und das Bewusstsein für diese Fehler verlorengeht. Ich wundere mich auch, wenn man bei der Süddeutschen Online nach einem Fußballspiel jedem Spieler bei einer Umfrage die Bewertung „Mann des Tages“ geben kann. Eigentlich müsste man die Spieler ja in eine Reihenfolge bringen und könnte einen Platz nur einmal belegen. Das ist zwar total wurscht, aber bei der Schufa dann schon nicht mehr.
    Die Algorithm-Fail-Kategorie hier im Blog dient mir einerseits als Materialsammlung und andererseits der Verbreitung in meinem Bekanntenkreis, in dem nicht jeder Kathrin Passig kennt oder liest etc. Vielleicht wird aus der Sammlung mal mehr. Solange kann sie ja mal schmunzeln lassen und mal empören.

  4. Wo kann ich unterschreiben? Und solche Sammlungen sind irgendwann sehr nützlich, wart’s ab.

    Muss mich entschuldigen, weil ich die nächsten Wochen kaum Zeit habe, würd das gerne weiter verfolgen. Ich seh aber auf Twitter gelegentlich, was du so machst, und melde mich wieder. Versprochen.

Schreibe einen Kommentar