Starke Kulturen verkraften Einflüsse von außen

Das Unbekannte ist aufregend, das Fremde macht uns Angst. Wer grundlegend verunsichert ist, dem fällt es viel schwerer, Schwächen einzugestehen oder Größe zu zeigen. Welche Größe auch? Zuletzt haben Rückwärtsgewandte sich darum bemüht, den Gebrauch der deutschen Sprache zur verfassungsrechtlichen Pflicht zu machen und das Tragen von Ganzkörperschleiern zu verbieten.

Unabhängig davon, wie ich persönlich zur Verschleierung oder zur deutschen Sprache stehe, so lässt sich doch sagen, dass die Reglementierung von Lebensweisen etwas unglaublich Verkrampftes an sich und nur wenig Aussicht auf Erfolg hat.

Wer meint, über erzwungene Äußerlichkeiten in die Herzen von Menschen vorzudringen, wird durch dieses Beispiel von Robert Greene womöglich überrascht:

„For centuries the Japanese would accept foreigners graciously, and appeared susceptible to foreign cultures and influences. João Rodriguez, a Portuguese priest who arrived in Japan in 1577 and lived there for many years, wrote, „I am flabbergasted by the Japanese willingness to try and accept everything Portuguese.“

 

He saw Japanese in the streets wearing Portuguese clothing, with rosary beads at their necks and crosses at their hips. This might seem like a weak, mutable culture, but Japan’s adaptability actually protected the country from having an alien culture imposed by military invasion. It seduced the Portuguese and other Westerners into believing the Japanese were yielding to a superior culture when actually the foreign culture’s ways were merely a fashion to be donned and doffed.

 

Under the surface, Japanese culture thrived. Had the Japanese been rigid about foreign influences and tried to fight them off, they might have suffered the injuries that the West inflicted on China. That is the power of formlessness–it gives the aggressor nothing to react against, nothing to hit.“
Roberte Greene in „The 48 Laws of Power“

Übersetzen lässt sich die Passage in etwa so:

„Jahrhundertelang nahmen die Japaner gnädig Ausländer auf und erschienen anfällig für fremde Kulturen und Einflüsse. João Rodriguez, ein portugiesischer Priester, der 1577 nach Japan kam und dort viele Jahre lebte, schrieb: „Ich bin verblüfft über die japanische Bereitschaft, alles Portugiesische anzunehmen.“

Er sah Japaner in portugiesischer Kleidung auf den Straßen, mit Rosenkranz-Perlen am Hals und Kreuzen an den Hüften. Dies mag wie eine schwache, veränderliche Kultur erscheinen, aber die Anpassungsfähigkeit Japans hat das Land tatsächlich davor bewahrt, eine fremde Kultur durch militärische Invasion aufgezwungen zu bekommen. Es verführte die Portugiesen und andere Westler zu dem Glauben, dass die Japaner einer überlegenen Kultur nachgaben. Dabei waren die Moden der fremden Kultur lediglich Accessoires, die man an- und ablegen konnte.

Unter der Oberfläche gedieh die japanische Kultur. Wären die Japaner gegenüber fremden Einflüssen starr gewesen und hätten sie versucht, sie abzuwehren, hätten sie vielleicht dieselben Verletzungen erlitten, die der Westen China zugefügt hat. Das ist die Macht der Formlosigkeit – sie gibt dem Angreifer nichts, worauf er reagieren kann, nichts, worauf er zuschlagen kann.“

Robert Greene steht übrigens nicht im Verdacht, ein linksliberaler Multikulti-Prediger zu sein. Vielmehr gilt er als zeitgenössischer Machiavelli, der sich gegen sein zynisches Image wehren muss.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Es wird noch besser.
    Nachdem diese Periode um war haben die Japaner für knapp 200 Jahre das Land zu gemacht und wenig bis garkeinen Austausch zugelassen. (Edo Zeit) Danach sie sie von Mathew Perry und ein paar echt großen Kanonen „überredet“ worden doch wieder mit der Außenwelt zu kommunizieren. Danach, in der sogenannten Meiji-zeit wurde Japan konsequent westernisiert. Das endete in einer quasi Militärdiktatur.

Schreibe einen Kommentar


This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.