Wenn Dir das Internet Hausaufgaben aufgibt und die Kettenmail ein Comeback feiert…

…denkst du natürlich erstmal:

via GIPHY

Aber hilft ja nichts. Felix war so gütig, Tobi und mir an dieser Stelle zehn Fragen zu stellen.

Tobis Antworten habe ich mir sicherheitshalber noch nicht durchgelesen. Man ist für gewöhnlich geneigt, seine Gedanken 1:1 zu übernehmen.

Nun denn:

1. Ist München die schönste Stadt Deutschlands?

Vermutlich nicht. Ich habe nur einen Bruchteil der deutschen Städte gesehen. Und auch international kann ich nicht mitreden. Nie bin ich in Rom gewesen, in London oder in Paris. Dafür in Prag, Sevilla, San Diego, Lissabon und St. Petersburg. Ich kann sagen, dass ich noch keine Stadt gefunden habe, die mir besser gefällt. Ich suche ja aber auch nicht. Meine Liebe für München ist groß. Wäre ich dort aufgewachsen, hätte ich sicher ausbrechen müssen. Aber zum Glück komme ich aus Potsdam, von wo mich die S7 stets verlässlich in Berlin abgegeben hat. Mein größtes Problem mit Hamburg ist, dass erschütternd wenig Bayrisch gesprochen wird.

2. Welches Buch habt ihr zuletzt gelesen?

Das Letzte verrate ich nicht. Das war nämlich „The $100 Startup: Reinvent the Way You Make a Living, Do What You Love, and Create a New Future“, und schreit laut, dass meine Seele profan und orientierungslos ist. Dass ich aktuell „The 48 Laws of Power“ von Robert Greene lese, schreit noch ganz andere Dinge. Kann man natürlich nicht zugeben öffentlich. Also nehme ich das davor. „Made to Stick – Why Some Ideas Survive and Others Die“ von den Gebrüdern Heath. Es soll helfen, einfacher, direkter und emotionaler zu schreiben. Es hilft vor allem dabei, konsumierte Texte noch schlechter zu finden als sowieso schon.

3. In welchen Momenten seid ihr am glücklichsten?

Wenn ich für Anstrengung belohnt werde und mir das Glück nicht einfach durch den Seifenspender in die Hände gepumpt wird. Und wenn ich verstanden werde.

4. Spielt Fußball für euch eine so große Rolle, dass es Einfluss auf euren Tagesverlauf nimmt?

Es ist besser geworden. Aber ich habe Fußball sehr gerne.

5. Welche Charaktereigenschaft stört euch am meisten an Menschen?

Wenn Menschen ihren Raum in den der anderen ausweiten, ohne das selbst nach Herzenslust auszukosten. Die Party bei den Nachbarn stört mich nicht, schließlich lachen sie und haben eine gute Zeit. Bei den whatsappenden Tischnachbarn auf Kreta bin ich nicht sicher, ob die klangvolle Untermalung des Sendevorgangs ihren Lustgewinn tatsächlich im Gleichschritt mit meinem Hass zu steigern weiß.

6. Spielt ihr ein Instrument und wenn nicht, welches würdet ihr gerne spielen?

Nope, keine Instrumente. Eine Trommel vielleicht?

7. Seid ihr Nacht- oder Tagmenschen?

Ich stehe gerne früh auf. Um 11 das Wichtigste des Tages schon geschafft zu haben, fühlt sich an wie ein Sieg. Und ich brauche die Sonne. Die Nacht hat den Vorteil, dass die Welt mich in Ruhe lässt, aber Dunkelheit schlägt mir aufs Gemüt.

8. Wie kommt ihr zu euren Twitter-Handles?

@jolle war schon vergeben. Wer seinem Lieblingshandle einfach eine Zahl hinzufügt, hat kein Ehrgefühl.

9. Würdet ihr jemals FDP wählen?

Das passiert mir in der Tat immer wieder. Eher per Ausschlussverfahren als mit glühender Brust. SPD oder Union zu wählen hätte in den letzten Jahren ja bedeutet: „Ja, genau so! Perfekt! Ein Traum, aus dem ich nicht aufwachen möchte!“ Und nun ja, so war es nicht.

Irgendwo sind Parteien nur Labels. Das Tagesgeschäft und die Möglichkeiten, Politik zu gestalten, sind so komplex und verästelt, dass vorher schwer zu ahnen ist, was das Ergebnis sein wird. Da macht es Sinn, wenigstens das richtige Label zu wählen. Nach dem Motto, wenn die Politik in Reinform durchkäme, dann war ich wenigstens auf der richtigen Seite und kriegte sogar noch Applaus aus dem Freundeskreis. Dann wäre für mich Grün die richtige Wahl gewesen. Wie bei den meisten Parteien gefällt mir einiges sehr gut und anderes gar nicht.

Bei der FDP ernte ich natürlich pikierte Blicke. „Aha, du möchtest also die Arbeiter ausbeuten und den Konzernen Freifahrtscheine für moralische Untaten ausschreiben.“ Aber mir fehlte zuletzt ein liberales Korrektiv im Bundestag, das in Unternehmen nicht per se den Gegenspieler wähnt. Ob in der Opposition oder der Regierung. Ich habe gehofft, dass FDP und Grüne gemeinsam eine der beiden Groko-Hälften in Richtung Datenschutz und grüner Industrie treiben.

10. Gibt es Tage, an denen euch Miasanrot nervt?

Absolut. Es steckt viel Arbeit drin und ein gutes Dutzend Geistesgestörter besudelt einen Slack-Chat. Der Leserschaft konnten wir ein Maß an Professionalität vorgaukeln, das auch die Erwartungen nach oben schraubt. Dass wir das für umme in unserer Freizeit stemmen, ist vielen gar nicht klar und erklärt so manch harsche Kritik. Aber ich bin auch unermesslich stolz auf Miasanrot. Das Team ist ein Goldschatz. Wir sind alle so unterschiedlich und gehen uns zum Teil an die Gurgel, aber alle sind freiwillig da und man kann niemanden umherordern. Wie wir da trotzdem remote zusammenarbeiten, wäre für das ein oder andere Unternehmen sicher ganz spannend anzusehen. Aber dass wir uns jetzt auch am Revival der Kettenmail beteiligen, ist wirklich unerträglich.

Andere jetzt davor zu verschonen, ist natürlich ein frommer Wunsch: Ich nominiere Neunundachtzig und Dubtism, schraube die Fragen aber runter auf drei:

  1. Was ist Dir im Alltag einfach unerklärlich?
  2. Was hast Du besser verstanden, als der Durchschnittsdeutsche?
  3. Erkläre Deine Fastzination für eine Leidenschaft, die Deine bessere Hälfte nicht versteht.

Kommentar verfassen