Jibbt Schlimmeret, Abteilung Inneret – warum mich die FC-Bayern-Halbfinal-Niederlage gegen Real Madrid beseelt zurücklässt

FC Bayern Real Madrid Champions League Halbfinale 29. April 2014 Allianz ArenaAls ich am Morgen nach der Viernullklatsche im Büro aufschlug, musste ich mehrfach mit heiserer Stimme erläutern, warum ich erstens meiner Existenz nicht per beherztem Sprung vom Kurt-Landauer-Weg auf die A9 ein jähes Ende gesetzt und, wenn sich das schon nicht hat einrichten lassen, ich zweitens gänzlich ohne die prognostizierten tränenunterlaufenden Augenringe in den Tag zu starten vermocht hatte. Schließlich ist der Verein meines Herzens krachend fünf zu null nach Hin- und Rückspiel an Real Madrid gescheitert, der Traum einer historischen Champions League Titelverteidigung geplatzt und ich habe mir „das Elend“ live im Stadion „angetan“.

Die erste These (Frustsaufen) ist zwar nicht gänzlich von der Hand zu weisen, aber nicht der entscheidende Faktor. Die Ursache ist nämlich zugleich die Lösung: Ich war dabei und es war großartig.

Eine Fremde, die ich kenne (im Volksmund auch als Kollegin geführt), konnte durch eine mir unplausible Aneinanderkettung glücklicher Umstände Karten ergattern und tat den einzig richtigen Schritt – sie kontaktierte mich. Danke Sandra! Zunächst wollte ich den geschenkten Gaul noch einer zahnärztlichen Untersuchung unterziehen und bemängeln, dass wir in der Nordkurve saßen, dem Gegenteil der Fankurve der Allianz Arena, die ohnehin als stimmungsarm gilt. Es kam anders. Es war der Wahnsinn. Und von Sitzen kann keine Rede sein.

Trainer, Spieler und Verein hatten sich vor der Partie ungewöhnlich vehement nach Fanliebe gesehnt und alle Anhänger flehentlich gebeten, im Stadion alles für die Mannschaft zu geben. Und die Arena tat, wie ihr geheißen. Der Club Nr. 12 hatte in Eigenregie und auf eigene Kosten eine Choreographie über sämtliche 68.000 Plätze auf die Beine gestellt, die ihresgleichen sucht und ich bin stolz, dabei gewesen zu sein.

Wir sind übrigens schwarz neben „weiter“. Das war ein echter Gänsehautmoment und den ganzen Abend werde ich niemals vergessen. Nach jedem Tor, das dem lautstarken Stadion das Messer in die Brust rammte, wurde der nächste Fangesang angestimmt, um die Mannschaft aufzubauen und weiter anzutreiben. Auch dann, als das Ende schon in Stein gemeißelt feststand.

Für Gemecker und Gezeter war Madrid einfach zu stark. Kein Stachel sitzt so tief bei mir wie die Niederlage gegen Chelsea im Finale Dahoam. Die 5:2-Pokalfinalniederlage gegen Dortmund kann ansatzweise mithalten… Aber das Halbfinale gegen Madrid? Keine Chance. Mit dem Triplesieg 2013 hat die Generation Flachhierarchie-Lahm und Chefchen-Schweinsteiger, der ja angeblich der letzte Punch fehlte, Historisches geschafft und alle Kritiker zum Schweigen verdammt. Das ist für mich die absolute Genugtuung. Für diejenigen, die Pep Guardiolas Ballbesitzstrategie in Zweifel ziehen, kann ich nur den Beitrag eines meiner Lieblingsblogger, Steffen Meyer aka Der Bayern Blog empfehlen und bin gespannt, wie der FC Bayern die Zukunft angeht.

Gezetert haben wir natürlich trotzdem. Das Stadion ist ein Mob. Dass Ribery Carvajal ohrfeigt, hatte ich gar nicht gesehen und natürlich trotzdem „Ribery! Ribery! Ribery! Ribery!“ gegrölt. Es macht ja auch eine Trilljarde mal mehr Spaß, Ronaldo, Pepe und ihren Landsmännern, dem Schiedsrichtergespann, die Meinung unflätigst entgegen zu geigen, statt sie mit den Fingernägeln in die Couchkissen zu krallen. Wir haben 92 Minuten alles gegeben, ich hatte eine Mordsgaudi und bin glücklich, zwei der nicht nur aktuell besten Mannschaften der Welt live gegeneinander antreten zu sehen. Punkt.

[Nachtrag: Das Making-of der Choreo vom Club Nr. 12:]

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