FC Bayern Basketball - Mitteldeutscher BC (86:63), Audidome

FC Bayern Basketball – Mitteldeutscher BC (86:63) schwach begonnen, stark gestartet

FC Bayern Basketball - Mitteldeutscher BC (86:63), Audidome

Der Audidome bzw. die Rudi-Sedlmayer-Halle hat mich wieder. Gestern startete der FC Bayern Basketball mit einem souveränen Sieg gegen den Vorjahresneunten in die neue Saison der erstklassigen Beko BBL. Erstmals seit knapp sechzig Jahren lautet die Aufgabe endlich — dem Selbstverständnis des Vereins entsprechend — Titelverteidigung. Noch in der Vorwoche hatten die Bayern es den Fußballern nachgemacht und den Champions Cup (bzw. Supercup zwischen Meister und Pokalsieger) gegen den Rivalen in Gelb (in diesem Falle Alba Berlin) deutlich verloren.

Und schon liegt man auch im ersten Viertel des ersten Ligaspiels 0:8 zurück. Pesic’ Mannen hatten den Start ordentlich verpennt, doch schon die erste Auszeit griff. Fortan wurde in jedem Viertel ein Minimum von 20 Punkten erzielt, während der MBC jedesmal unter dieser Marke zurückblieb: In der Summe ein verdientes 86:63-Endergebnis.

FC Bayern Basketball - Mitteldeutscher BC (86:63), Audidome

Konditionell ist die Truppe noch nicht ganz auf der Höhe. Im dritten Viertel ließ die Kraft deutlich nach, die Beine wirkten schon von außen schwer und langsam, die Defense nicht mehr ganz so bissig, während der Gegner genau jetzt phasenweise über das ganze Feld presste. Benzing bettelte gar um Auswechslung. Dafür machte Big John Bryant vom Punkt weg einen deutlich fitteren Eindruck als noch im letzten Jahr, als die erste Halbserie dazu diente, ihm den Urlaubsspeck abzutrainieren.

Gerade zu Beginn zeigte sich der FC Bayern zwar deutlich abschlussschwach, überzeugte aber immer wieder durch ruhiges, überlegtes Setplay, ließ den Ball und somit den Gegner laufen und kam auf diese Weise zu schönen offenen Würfen. Im Umschaltspiel stach besonders der neue Einser Vasilije Micic hervor. Extrem zielstrebig, flink, immer gefährlich trieb er den Ball schnell über die Mittellinie und nicht selten direkt in die Zone und gar in den Korb. Der Mann, den man für Malcom Delaney auf der Point Guard Position holte, stimmte sofort zuversichtlich, einen exzellenten Ersatz für den MVP der Meistersaison abzugeben. Ich freu mich sehr drauf, mehr von ihm zu sehen.

Was hat sich noch im Kader getan? Etablierte Stützen des Teams wurden gehalten, dazu zähle ich Bryce Taylor, der im ersten Spiel auf der Bank geschont wurde, John Bryant, Lucca Staiger, Robin Benzing, Nihad Djedovic und Yassin Idbihi. Paul Zipser wird auch in dieser Saison um Minuten kämpfen müssen. Neu dazu kamen neben Micic Vladimir Stimac, der wenig Zentimeter aber ordentlich Masse unters Brett bringt. Auch er zeigte ein gutes Ligadebut mit gelungenen Aktionen vorne und hinten. Ebenfalls neu dabei und mit guter Leistung auf dem Parkett waren Dusko Savanovic sowie der München-Berlin-Pendler Jan Jagla. „Lewandowski-Transfer“ Anton Gavel aus Bamberg fehlte aufgrund einer Schulterverletzung und auch Daniel Mayr aus Jena sammelte noch keine Minuten.

Zu den Abgängen zählen verdiente Spieler wie der ehemalige Kapitän Steffen Hamann, der kurioserweise im fränkischen Heimatclub Bike-Café Messingschlager Baunach ausklingen lässt, oben genannter Delaney, den es nach Russland zu Krasnodar zog, Demond Greene, seines Zeichens Maskottchen und Kurven-Liebling war persönlich in der Halle, bleibt dem Club im Nachwuchs eine Stütze und wurde herzlich von den Fans begrüßt. Auch den mit dem Aufstiegsprojekt für immer verknüpften Chevy Troutman gibt es nicht mehr im Team, er spielt nun in Polen. Deon Thompson, der eine gute Saison beim FCB eingelegt hatte, zog es gar noch weiter weg nach China. Auf Boris Savović werden wir gegen Ulm wieder stoßen.

Ich selbst wurde noch vor Tip-off zugange mit der Klatschpappe erwischt.

Vielleicht bilde ich es mir ein, aber hatte ich mich noch im letzten Jahr über zu eintönig rhythmischen Klatschbeistand der Fans beschwert, gab die Kurve gestern mehr melodisches Liedgut zum besten, wurde dabei allerdings häufig so vom Hallentechno „unterstützt“, dass sie außerhalb der Kurve nur schlecht vernehmbar waren. Aber der Anfang ist gemacht. Insgesamt geht das Zusammenspiel zwischen Hallensprecher, Fankurve und Soundeffekten aber sicher noch harmonischer.

Mit den amerikanisch affektiert sexualisierten Cheerleadern muss man sich beim Basketball wohl abfinden. Optisch eine schöne Abwechslung zu den üblichen Hotpants waren die langen (sic!) rotweißen Dirndl in der Halbzeitpause, wenn, ja wennnn doch bloß auf Helene Fischer hätte verzichtet werden können. Gänzlich daneben war allerdings Folgendes: Der Hallensprecher quatscht noch im zweiten Viertel was von „Sitzen bleiben, gleich gibt es Gänsehautmoment“, worauf dann in der Halbzeit in der Spielfeldmitte ein Leuchtionenkubus aufgebaut wurde, auf dem das gebannte Publikum dann ein nettes Werbefilmchen zum neuen Hauptsponsor konsumieren durfte. Muss das sein? Die Werbung, meinetwegen, aber die Superlative, die für die wahren sportlichen Erfolge dann keine Beschreibungen mehr übrig lassen? Zum Beispiel für eine Titelverteidigung? tbc

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