„Falls wir uns im Puff sehen, wissen Sie warum“ – Das ist kein Sexismus, das ist Battlerap

Gestresste Studentin zwischen Bücherstapeln mit Sprechblasen "Zornige zotige Worte" und "Viele Ausrufezeichen".Gestern erhitzten sich die Gemüter über eine Story, über die ich als alte Potsdamer Keule gelinde gesagt schmunzeln musste. Professor stürzt Studentin wegen angeblich falscher Angaben über den Prüfungsstoff in akademische und womöglich existentielle Krise. Studentin beleidigt Professor noch auf dem Prüfungsbogen aufs Vulgärste (Props).

„Ich möchte mich hiermit bei Ihnen bedanken, dass Sie mich so sehr in den Arsch gefickt haben. […] Falls wir uns dann in irgendeinem Puff wiedersehen, wissen Sie warum.“

 

Professor überspannt den Bogen seinerseits, indem er nicht nur gegen die Beleidigung vorgeht, sondern auch sexuelle Belästigung in den Tatbestand hineindeutelt. Die Geschlechterpolitiksbeauftragte der Uni hat ihren Job verfehlt, indem sie bei der Gleichstellung der Geschlechter völlig unreflektiert Partei für nur eines – nämlich das ihre – ergreift. Als Empathiechameleon, das ich bin, kann ich alle drei verstehen, muss aber trotzdem kurz aufräumen und halte daher fest:

  1. Derart wüste Beschimpfungen gehören sich nicht und haben zurecht ein Nachspiel. Persönlich finde ich sie wahnsinnig witzig und möchte die angehende Juristin daher für den Olli-Kahn-Preis „Eier, wir brauchen Eier“ nominieren.
  2. Womit der Prof generell Recht hat, ist, dass sexuelle Belästigung keine Einbahnstraße ist, sondern auch – und zwar nicht nur vereinzelt – Männer Opfer sexueller Gewalt sind. Wenn die Genderbeauftragte das verkennt und blind und pauschal Partei für Frauen ergreift, erweist sie dem Feminismus einen Bärendienst.
  3. Ich stimme mit der Gendertante darin überein, dass der Prof auf dem Teppich bleiben möge und sich mit einer Pseudoverbindung zur Brüderledebatte nicht wichtiger machen sollte, als er ist. Im Machtverhältnis zwischen Hochschullehrer und Studentin steht er oben. Zudem hat Brüderle der Journalistin direkt auf die Titten gestiert, während die Studentin auf kein persönliches Verhältnis der zwei Beteiligten anspielt, sondern von der Lage abstrahiert. Sie sagt: Nicht wenige Studentinnen haben es schwer, über die Runden zu kommen, was dazu führt, dass sich einige gar prostituieren. Und zweitens sind es nicht selten die etablierten, wohlsituierten Familienväter, die man als Kunden in Puffs antrifft.

Das ist kein Sexismus, das ist Battlerap.

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