Ein Alonso-Transfer schwächt den FC Bayern

Xabi Alonso

Nein, nicht kurzfristig. Auf die Schnelle bekommt der FC Bayern einen absoluten Spitzenfußballer in seine Reihen, der die Defensive durch Antizipation, Körperlichkeit und Geschick zusammenhalten und das Spiel schlau eröffnen kann. Glückwunsch. Ist doch super, gerade jetzt, wo die WM-Mannen noch geschwächt, Martínez lange und Schweinsteiger und Thiago auf unbestimmte Zeit verletzt sind.

Ja, Alonso ist eine Luxuslösung für ein ad hoc Problem. Aber: Was ist das für ein Signal an Rode, Alaba, Højbjerg und Gaudino, die sich in der Vorbereitung angeboten haben. Richtig, noch sind sie auf keinem vergleichbaren Level wie Alonso, aber nur im Training wird man das nicht. Man muss zusammenwachsen und Niederlagen zusammen durchstehen. Man wächst nicht über sich hinaus, wenn man nicht muss. Die Triple-Bayern sind für mich ohne Katastrophe dahoam nicht denkbar. Den bis weit über die körperlichen Grenzen hinaus fightenden und antreibenden Schweinsteiger im WM-Finale kann ich mir ohne die Niederlagen der Turniere davor (inkl. der desaströsen Medienhäme) nicht vorstellen. Will heißen: die Mannschaft des FC Bayern muss ihre Kämpfe kämpfen. Sie muss die Lösung selbst finden und nicht vom Nachbarn abschreiben. Und daraus muss sie zusammenfinden und wachsen.

Man kann einwenden, dass der FC Bayern nicht gerade ein Ausbilderverein ist, dass es für ihn normal ist, gestandene Stars kaufen zu wollen und kaufen zu können. Siehe Lewandowski. Aber Lewandowski ist keine 33 Jahre alt und will seit Ewigkeiten unbedingt zum Verein, um daran und mit ihm zu wachsen. Alsonso hat bereits alles gewonnen. Für ihn ist der FC Bayern die Gelegenheit, auch im Ausland mal bei einem großen Verein reinzuschnuppern. Es ist nicht die Chance seines Lebens. Wenn Madrid dann ggf. neben Kroos auch noch Luiz Gustavo holt, um die Alonsolücke zu füllen, wird es für mich fast schon pervers. Ich bin selten in der Fußballromantikerecke richtig eingeordnet, aber ein Team muss für mich eine Identität ausbilden und wer sich beim FC Bayern so verdient gemacht hat wie Gustavo, der wird immer ein Teil dessen bleiben. So hat man sich am vergangenen Wochenende sogar für das Tor von Olic gefreut, weil Ivi immer Teil des FC Bayern bleiben wird.

Ich bin auch lieber mit Martínez für 40 Millionen in einem Champions League Finale als mit Ottl und Lell. Und ich habe auch lieber einen Reina als Backup als einen Lukas Raeder. Ich habe auch nichts gegen viele Spanier. Auf Benátia und Bernat freue ich mich sehr. Denn sie können mit dem FC Bayern wachsen und ihren Erfolgshunger in den saturierten Kader schmeißen.

[Der Bayernblog wies mich zurecht darauf hin, dass Benátia Marokkaner ist. Ich wollte insgesamt auf die Hohe Spanierdichte beim derzeitigen FC Bayern hinweisen, klingt aber in der Tat missverständlich.]

Alonso kann uns kurzfristig helfen und unsere Entwicklung mittelfristig bremsen. Marian Sarr kann ein Liedchen davon singen. Anstatt beim BVB wachsen zu dürfen, setzte man ihm Manuel Friedrich vor die Nase.

Bild: CC BY-SA 3.0 Дмитрий Неймырок – Football.ua

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